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AnyDesk vs TeamViewer (2026): Der ehrliche Vergleich, den die meisten Reviews auslassen

GoDesk Editorial Team10 Min. Lesezeit
AnyDesk vs TeamViewer (2026): Der ehrliche Vergleich, den die meisten Reviews auslassen

AnyDesk und TeamViewer dominieren die Diskussion um Remote Desktop, aber die meisten „Vergleiche“ sind Affiliate-Content. Hier die ehrliche Einschätzung zur Gratisstufe, Performance, Verschlüsselungsbehauptungen, Preisgestaltung und den Alternativen, die beide Anbieter möglichst nicht auf dem Schirm hätten.

Geben Sie "AnyDesk vs TeamViewer" in Google ein und die ersten zehn Treffer lesen sich, als sei derselbe Artikel zehnmal umgeschrieben worden. Beide Tools „haben gute Verschlüsselung“, beide sind „einfach zu bedienen“, beide eignen sich „gut für IT-Support“. Die tatsächlichen Unterschiede – die Dinge, die entscheiden, ob Sie am Ende frustriert sind, ausgesperrt werden oder €50 im Monat für Software zahlen, die Sie kaum nutzen – gehen in Affiliate-Links unter.

Ich nutze beide Tools beruflich und privat seit Jahren und helfe beim Aufbau eines Konkurrenzprodukts (GoDesk), daher habe ich die technischen Dokumentationen beider Anbieter sorgfältiger gelesen als der durchschnittliche Rezensent. Dieser Artikel überspringt das Marketing und zerlegt den Vergleich in sechs Dimensionen, die wirklich zählen: Realität der Gratisstufe, Performance, Verschlüsselung, plattformübergreifende Unterstützung, Preisgestaltung und was passiert, wenn Sie die Gratisstufe übersteigen.

Die Realität der Gratisstufe (der Teil, über den niemand ehrlich schreibt)

Beide, AnyDesk und TeamViewer, sind technisch kostenlos für private, nicht-kommerzielle Nutzung. Beide setzen heuristische Erkennung ein, die Nutzer markiert, von denen sie glauben, dass sie die Gratisstufe kommerziell nutzen. Der Unterschied liegt darin, wie aggressiv diese Erkennung ist und was passiert, wenn sie greift.

TeamViewer ist bekannt dafür, sehr aggressiv vorzugehen. Die Erkennung berücksichtigt Sitzungsfrequenz, unterschiedliche Endpunkte, IP-Range-Geolokation und Tageszeitmuster. Sobald man markiert ist, werden die Sitzungen auf 5 Minuten begrenzt, mit einem Banner, das zum Upgrade auffordert. Viele legitime Privatnutzer – IT-Helfer, die Familien-Laptops reparieren, Freiberufler mit einem Kunden, Menschen, die ihre Eltern unterstützen – werden markiert. Einsprüche über das Support-Formular haben selten Erfolg; die einzige verlässliche Lösung ist zu zahlen. Wir haben eine eigene Landingpage zu genau diesem Schmerzpunkt geschrieben, weil es der Hauptgrund ist, warum Nutzer nach Alternativen suchen.

AnyDesk nutzt eine ähnliche Erkennung, ist aber merklich weniger aggressiv. Die Gratisstufe zeigt gelegentlich Warnungen zu „non-commercial use“ an, anstatt Sitzungen zeitlich abzuschneiden. Nutzer, die sich mit ihren eigenen Maschinen verbinden (gleiches Windows-Konto, gleiches Netzwerk), werden nur selten markiert. Persönliche IT-Unterstützung über mehrere Geräte – derselbe Anwendungsfall, den TeamViewer markiert – läuft jedoch ebenfalls Gefahr, erkannt zu werden.

Fazit: AnyDesks Gratisstufe ist für typische Privatnutzung die praktikablere der beiden. Aber „weniger aggressiv als TeamViewer“ ist kein hoher Maßstab – beide Anbieter gestalten die Gratisstufe so, dass Sie zu kostenpflichtigen Plänen gedrängt werden; mit gelegentlichen Reibungspunkten ist zu rechnen.

Performance: Codec und Latenz in der Praxis

Hier spielt AnyDesk seine Stärken aus. AnyDesks intern entwickelter DeskRT-Codec ist speziell für Remote Desktop gebaut und liefert bei gleicher Bitrate durchgehend geringere Latenz und höhere Qualität als TeamViewers Codec. Bei guter Verbindung fühlt sich AnyDesk fast lokal an – Tipp-Latenzen liegen im Bereich von 30–50 ms, Bildraten bleiben bei 60 FPS flüssig, wenn die Quelle 60 FPS liefert.

TeamViewers Performance ist für alltäglichen Support ausreichend – Tipp-Latenzen um 80–120 ms über eine typische Heimverbindung, Framerate adaptiv – aber bei grafikintensiven Aufgaben wie CAD, Design oder Videowiedergabe auf dem Remote-Rechner wirkt es spürbar weniger scharf als AnyDesk.

Wichtig: Beide Tools nutzen standardmäßig eine Server‑Relay‑Architektur, was gegenüber einer direkten P2P-Verbindung zusätzliche Round‑Trip‑Latenz erzeugt. AnyDesk versucht zuerst P2P; TeamViewer unterstützt direkte Verbindungen ebenfalls, aber der Relay‑Pfad wird häufiger genutzt. Tools wie GoDesk und RustDesk bevorzugen P2P aus demselben Grund – weniger Hops = geringere Latenz.

Verschlüsselung: was die Marketingseiten behaupten vs. was stimmt

Beide Anbieter behaupten „Ende‑zu‑Ende‑AES‑256‑Verschlüsselung“ und liegen damit auf Marketing‑Ebene korrekt. Die technischen Details unterscheiden sich:

  • TeamViewer: AES-256 mit RSA 4096 Key Exchange. Ende‑zu‑Ende durch das Relay (das Relay sieht nur Ciphertext). TLS 1.2/1.3 Transport.
  • AnyDesk: AES-256 mit RSA 2048 Key Exchange + Perfect Forward Secrecy via Diffie-Hellman. Ende‑zu‑Ende durch das Relay.

Beide sind vernünftige Optionen für private und die meisten geschäftlichen Einsatzzwecke. Keiner der beiden wurde in jüngerer Zeit in öffentlich bekannten Vorfällen gebrochen. Die eigentliche Sicherheitsfrage ist die Vorfallhistorie des Anbieters: TeamViewer hatte 2024 eine vielbeachtete Disclosure mit kompromittierten internen Zugangsdaten; ein direkter Einfluss auf Kundenumgebungen wurde nicht nachgewiesen, aber das Vertrauen litt. AnyDesk hatte Anfang 2024 ebenfalls einen Vorfall (Disclosure), der die Kompromittierung von Produktionssystemen und erzwungene Passwort-Resets zur Folge hatte. Beide Anbieter haben die Vorfälle halbwegs professionell offengelegt; keiner kam unbeschadet davon.

Maximales Vertrauen bietet die Open‑Source‑Option (GoDesk, RustDesk): nur hier können Sie den Verschlüsselungscode selbst prüfen und das Relay selbst hosten. Bei Closed‑Source‑Anbietern müssen Sie der Offenlegungspolitik des Anbieters vertrauen.

Plattformübergreifend: welche Plattformen jeweils unterstützt werden

PlattformAnyDeskTeamViewerGoDesk
Windows
macOS
Linux (deb/rpm)
Android
iOSWarteliste
Web client
ChromeOS✓ (Android-App)✓ (Android-App)✓ (Android-App)

Beide, AnyDesk und TeamViewer, liefern ein umfassendes plattformübergreifendes Paket. Wenn Sie speziell iOS‑Support benötigen, sind beide heute solide; GoDesks iOS‑Client steht auf der Warteliste.

Preise: wo das Marketing trickst

Öffentliche Listenpreise für das Einstiegs‑Bezahlpaket (einzelner Nutzer, Basisfunktionen):

  • AnyDesk Solo: €14.90/Monat (jährlich). Ein Nutzer, 1 gleichzeitige Sitzung, ~3 verwaltete Geräte.
  • TeamViewer Remote Access: €17.90/Monat. Ein Nutzer, 3 Geräte.
  • GoDesk Lite: $2.99/Monat. 50 Geräte, 50 GB Relay‑Bandwidth.
  • GoDesk Pro: $7.99/Monat. 200 Geräte, 250 GB Relay, 3 gleichzeitige Sitzungen.

Die Lücke zwischen AnyDesk/TeamViewer und den Open‑Source‑geprägten Alternativen ist dramatisch – etwa 5× – und reflektiert eher das traditionelle proprietäre Preismodell als die tatsächlichen Infrastrukturkosten. Relay‑Bandwidth ist bei typischer Remote‑Desktop‑Nutzung günstig; beide Anbieter verlangen Premium‑Preise zusätzlich für Marketing, Vertrieb und die historische Annahme, Remote Desktop sei ausschließlich eine B2B‑Kategorie.

Für Geschäftskunden mit 5+ Technikern haben sowohl AnyDesk als auch TeamViewer deutlich steilere Enterprise‑Stufen (ab ~€39+/Seat für „Standard“, €110+/Seat für „Premium“ bei TeamViewer; AnyDesk hat vergleichbare Staffelungen). Lesen Sie unsere ehrliche TeamViewer‑Preisanalyse für die vollständige Enterprise‑Rechnung.

Was passiert, wenn Sie die Gratisstufe übersteigen

Das ist die praktische Frage, die entscheidet, ob AnyDesk oder TeamViewer der richtige Ausgangspunkt ist. Wenn Sie erwarten, dass Ihre Nutzung wächst:

  • AnyDesk: glatterer Upgrade‑Pfad. Die Gratisstufe sieht und fühlt sich wie das kostenpflichtige Produkt an; meist werden nur Warnungen entfernt und Multi‑User‑Funktionen freigeschaltet. Die Preise sind hoch, aber vorhersehbar.
  • TeamViewer: mehr Reibung. Die 5‑Minuten‑Begrenzung der Gratisstufe ist eine harte Grenze, und die Bezahlstufen sind stark gegliedert (Remote Access < Business < Premium < Corporate) mit wichtigen Funktionen hinter höheren Stufen – Multi‑Monitor‑Support, Mobile‑to‑Mobile, Massendeployment.
  • GoDesk / RustDesk: großzügigste Gratisstufe (30 Geräte, keine Nutzungserkennung bei GoDesk; bei selbstgehostetem RustDesk unbegrenzt). Geringste Reibung beim Upgrade – derselbe Client, nur die Limits werden aufgehoben.

Die ehrliche Empfehlung

Wählen Sie AnyDesk, wenn: Sie die rundeste Gratis‑UX wollen, Ihre Nutzung ein einzelner privater Nutzer ist und Sie gelegentliche Commercial‑Use‑Warnungen tolerieren können.

Wählen Sie TeamViewer, wenn: Sie es in einer Unternehmensumgebung evaluieren, die bereits darauf standardisiert ist, oder wenn Sie ein spezifisches Enterprise‑Feature benötigen (z. B. Conditional‑Access‑Policies, SSO via SAML in der Premium‑Stufe).

Überspringen Sie beide, wenn: Sie Open‑Source / auditierbaren Code wollen, genug von kommerzieller Nutzungserkennung haben, eine Preisobergrenze unter €10/Monat für häufige private Nutzung brauchen oder selbst hosten möchten. GoDesk ist die nächstliegende direkte Wahl (Open Source, in der EU betrieben, keine Nutzungserkennung, $2.99 Bezahlstufe, die Gratisstufe deckt 30 Geräte). RustDesk ist die maximale Self‑Host‑Option für technisch versierte Nutzer.

Wenn Sie den größeren Kontext wollen, behandelt unser 7‑Tool‑Vergleich zu kostenlosen TeamViewer‑Alternativen Chrome Remote Desktop, RDP, Parsec und Splashtop neben den hier genannten beiden.